The Cutting Edge - Afrikanische Wurfmesser (Rezension)

Katalog von Annette M. Schmidt und Peter Westerdijk, Leiden, 2006    (bibliographische Details)

 
 Afrikanisches Wurfmesser, Banda-Stamm.
 
Afrikanisches Wurfmesser, Länge 40,5cm, vom Banda-Stamm hergestellt. Katalog S. 70. Bild verwendet mit freundlicher Genehmigung des (externer Link / neues Fenster)Ethnographischen Museums Leiden.

Das englischsprachige Buch stellt die Sammlung mehrklingiger afrikanischer Wurfmesser des (externer Link / neues Fenster)Nationalen Ethnographischen Museums in Leiden (Niederlande) vor - genauer Wurfmesser aus Ländern um den damaligen Kongo, also heute von Gabun im Westen bis in den Sudan im Osten von Afrika.

Schmidts Einführung beleuchtet, wie die Sammlung zustande kam - durch enge Kontakte mit der Firma New African Trade Association, deren Angestellte die Wurfmesser vor Ort bei den Stämmen eintauschten. Neben dem dargestellten wirtschaftlichen und kolonialen Hintergrund zeichnen auch einige Anekdoten ein lebhaftes Bild der Entstehungszeit der Sammlung. Meine Lieblingsgeschichte ist die des Sammlers Maria Schuver, der mehrmals in verschiedenen Kriegsgebieten zum Tode verurteilt wurde. "Glücklicherweise hatte Schuver die Sammlung schon abgeschickt" (S. 25) bevor er 1883 endgültig durch Dinka-Speere starb.

Das Kapitel von (externer Link / neues Fenster)Westerdijk beschreibt den Gebrauch von Wurfmessern im westlichen Zentralafrika. Hauptsächlich waren die afrikanischen Wurfmesser tatsächlich Kriegswaffen. Für den üblichen horizontalen Wurf wird die effektive (daher verletzende) Reichweite mit 30m angegeben. Auf dem Schlachtfeld trugen die Krieger ein Schild, hinter dem die Wurfmesser an Schnüren befestigt waren, und das zum Abwehren der Messer diente.
Nach der Einführung von Metallblech durch die europäischen Kolonialisten wurden die Wurfmesser nicht mehr als Waffe genutzt; Sie wurden jetzt hauptsächlich im Handel eingesetzt, und um den Status ihres Trägers auszudrücken. Wurfmesser mit Griffen aus einem harten Material (zum Beispiel Holz) wurden laut Autor ausschließlich für zeremonielle Zwecke verwendet.

Den größten Teil des Buches nimmt die Darstellung der Wurfmesser-Sammlung ein, sortiert nach Stämmen. Den schönen Aufnahmen wird viel Platz eingeräumt, und man erkennt gut die Einzelheiten der Wurfmesser, und deren Unterschiede. Die abgebildeten Wurfmesser haben eine Länge von 33cm bis 71cm, die meisten sind um die 45cm lang. Vergleicht man mit modernen Wurfmessern, die natürlich nur eine Klinge haben, so ist das eine plausible Größenordnung - das eher lange Perfect Balance Thrower beispielsweise misst 35cm. Der die Bilder begleitende Text ist leider wenig informativ (bis auf die Erwähnung des Griffmaterials), er scheint einfach aus dem Museumskatalog übernommen.

Insgesamt stellt der Katalog eine strukturierte Herangehensweise an das Thema Afrikanische Wurfmesser vor. Und die Photos und Anekdoten allein sind schon Grund genug, ihn sich anzuschaffen.


Christian Thiel


Patrick McNaughton hat ebenfalls eine Rezension dieses Katalogs verfasst (auf Englisch).

Im geschichtlichen Kapitel seines Buches „Le couteau de Lancer“ wandelt Gérard Lecoeur ebenfalls auf den Spuren afrikanischer Wurfmesser, im Annexe III ist eine Karte mit Formen und Fundorten abgebildet, die geographisch sehr nahe an der Abdeckung der Leidener Sammlung ist.

Einen Überblick über Formen und Herkunft afrikanischer Wurfmesser bietet der (externer Link / neues Fenster)Wikipedia-Artikel zu Afrikanischen Wurfeisen.

Einen kleine, (externer Link / neues Fenster)informelle Informationssammlung zu afrikanischen Wurfmessern hat Phil West zusammen gestellt.

 


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Englisch: Book The Cutting Edge - African throwing knives