Energie aus zwei Wellen - Der russische Messerwurf ohne Drehung

Siehe auch: Messerwerfen ohne Drehung,  (externer Link / neues Fenster)Fedin Master Kanal Videos,  (externer Link / neues Fenster)Fedin Fight System,  Selbstverteidigung?
  Yury Fedin

Dieser Artikel beschreibt die Anwendung meiner Nahkampf-Wellen-Technik auf das kampfmäßige Werfen von Messern, Schraubenziehern und Ähnlichem.
Im Rahmen dieses Artikels werde ich nicht auf alle Details meiner Wellen-Methode eingehen, aber einige Bemerkungen sind sicherlich angebracht. Also, was sind diese "Wellen"? Historisch gesehen gibt es in traditionellen russischen Kampfkünsten schneidende Schläge, manchmal mit offener Handfläche, die offensichtlich die Energie von Wellen ausnutzen. Russische Messer, die für den Wellen-Wurf geeignet sind. Deren Herkunft liegt möglicherweise in der Verwendung von Peitschen bei Pferden und als traditionelles Bestrafungsmittel, beide haben ein "Schnalzen" im Moment, wo zwei Wellen zusammentreffen. Ähnliche Wellen- und Kreisbewegungen der Hände und Arme mit ähnlichem "Schnalzen" wurden von den Kampfkünsten übernommen. Ich habe sie umgeformt und in mein Fedin Fight System integriert.
Zurückkehrend zum Messerwerfen würde ich gerne mit einer Technik mit halber Umdrehung anfangen, die im Eigentraining leicht zu erlernen ist und den Effekt des Zusammentreffens von zwei Wellen ausnutzt.
Lassen Sie mich mit den Messern anfangen, die ich für diese Technik benutze. So genannte "traditionelle", lange und schwere Wurfmesser sind durch russische Gesetze verboten. Deshalb benutzen russische Werfer andere Arten von normalen (Haushalts-)Messern. Die zwei Beispiele auf dem Photo heißen (von links nach rechts) Vjatich und Osetr. Obwohl sie verschieden aussehen, haben sie einige Eigenschaften gemeinsam, die gut für die unten beschriebene Wurftechnik sind. Erstens sind sie nur auf einer Seite scharf geschliffen. Zweitens ist ihr Schwerpunkt dem Griff zu verschoben. Die erste Eigenschaft erlaubt es, beide Messer gleich an der Klinge anzufassen (siehe Photo), indem der Zeigefinger gegen den stumpfen Messerrücken gepresst wird. Die zweite Eigenschaft hat zur Folge, dass ein Anfassen an der Klinge vorzuziehen ist. Das ist nicht notwendig, aber im Falle eines Anfassens am Griff zum Wurf wird sich das Messer schneller drehen und so die Kampfdistanz reduzieren. Nicht zuletzt sind beide Messer kurz genug um sich gut tragen zu lassen.

Die Bewegungen beim Wellen-Wurf. Griffhaltung für den Wellen-Wurf. Die lange Photosequenz zeigt die Grundbewegungen des Wellen-Wurfs. Kurz gesagt, macht der schlaffe Arm einen Hieb in der vertikalen Ebene, als ob er eine Peitsche in der Hand hätte. Am Anfang des Ablaufs geht der Ellenbogen in einer glatten Bewegung nach hinten-oben, was die erste Welle erzeugt. In diesem Moment sollte der Zeigefinger auf das Ziel zeigen. Der Ellenbogen zieht die Hand mit dem nach vorne zeigenden Finger zurück bis zur physikalischen Grenze. Danach setzt der schlaffe Unterarm seine Rückwärtsbewegung fort, bis der Zeigefinger in die dem Ziel entgegengesetzte Richtung zeigt. Während der Unterarm sich glatt nach hinten bewegt, started der Ellenbogen eine Rückkehrbewegung nach vorne die viel schneller ist als die ursprüngliche. Dieser Hieb erzeugt die zweite Welle. Die glatte Rückwärtsbewegung und die schnelle Rückkehrbewegung des Ellenbogens müssen so ausbalanciert werden, dass man fühlen kann, wie die zweite Welle über die erste hereinbricht und ein Schnalzen verursacht, nicht in der Peitsche sondern im Arm selbst. Dieser Effekt des Zusammentreffens der beiden Wellen soll genau dann an der Spitze des Zeigefingers stattfinden, wenn dieser auf seinem Weg nach vorne am Ohr vorbei geht. Zeitgleich mit dem Schnalzen soll das fast senkrecht stehende Messer die Hand verlassen, der Griff zeigt nach oben. Es ist wichtig genau dann zu werfen, wenn die Hand dem Ohr so nahe wie möglich ist. Falls der Wurf zu spät gemacht wird, wenn die Hand schon am Ohr vorbei ist, wird das Messer nicht genug Energie übermittelt bekommen und außerdem viel schneller rotieren.
Die beschriebene Wellen-Wurf-Methode vermittelt genug Energie, um das Ziel mit den oben erwähnten Messern aus 4-5 Metern Entfernung zu treffen. Das Messer macht nur eine halbe Umdrehung, oder besser gesagt eine dreiviertel Umdrehung, da es den Zeigefinger ja verlässt, wenn dieser fast zum Himmel zeigt. Die Hand verlassend, fliegt das Messer für mindestens die Hälfte der Strecke mit dem Griff voran. Dann macht es kurz von dem Ziel eine halbe Umdrehung. Für dieses Verhalten gibt es drei Gründe: der dem Griff zu verschobene Schwerpunkt, der kraftvolle initiale Impuls durch das Zusammentreffen der beiden Wellen, und der auf dem Messerrücken gleitende Zeigefinger. Letzteres verlangsamt auch die Rotation und erhöht die Treffsicherheit. (Bemerkung: Achten Sie auf Kerben im Messerrücken, um Ihren Zeigefinger nicht zu verletzen.)

Die Photosequenz unten zeigt, wie man die Brustmuskeln beim Wellen-Wurf einsetzt. Das erlaubt es, die Distanz für die halbe Umdrehung bis auf 7-10 Meter auszudehnen. Mit Hilfe einiger Geheimnisse kann ich sie auf 12-15 Meter ausdehnen. Offensichtlich ist diese Wurftechnik also sehr flexibel in Kampfsituationen. Man muss sich nur an das Messer gewöhnen. Variationen der Wurfimpulse und, wenn nötig, des Brustmuskeleinsatzes erlauben es, das Ziel aus einer Entfernung von 3 bis 15 Metern zu treffen ohne dabei Umdrehungen zählen zu müssen. Für Distanzen bis 3 Meter nimmt man das Messer einfach am Griff und macht die selbe Wellen-Wurf Bewegung.
Einsetzen der Brustmuskeln beim Wurf.
Die Photos demonstrieren, wie man die Brustmuskeln beim Wellen-Wurf mit einsetzen kann.

Diese Basistechnik kann auch für einen so genannten Wurf mit relativ keiner Umdrehung eingesetzt werden, von dem es auf meiner Seite ein Video zu sehen gibt. Er wird relativ genannt, weil er eine viertel Umdrehung auf 5-7 Metern Flug macht.
Es muss nicht extra betont werden, dass diese Wellen-Wurf Technik mit halber Umdrehung auch anwendbar ist auf Nägel, Schraubenzieher, Shuriken und Ähnliches.

Mit diesem Artikel möchte ich das Augenmerk lenken auf die Perspektive von Wellenbewegungen in Kampfkünsten. Ihr Potential ist sehr groß. Um Interesse zu wecken möchte ich erwähnen dass ich als Weiterentwicklung meiner Wellen-Technik einen Weg für folgende Würfe gefunden habe: ganz ohne Umdrehung (das Messer fliegt wie ein Pfeil), Seitenwürfe, Untenwürfe und Würfe hinter dem Rücken. Ich freue mich auf Ihre Kommentare und Sie können mich gerne in Moskau oder im Ausland treffen, um mein System zu lernen.

Yury Fedin,
September 2005
Yury Fedin Yury Fedin ist im Frühjahr 2015 verstorben.


Homepage: (externer Link / neues Fenster)www.Fedin-System.com
Videos vom Wellenwurf: (externer Link / neues Fenster)Fedin Master Kanal

Übersetzung vom Russischen ins Englische durch einen Schüler Fedins, Yury Ershov.

 


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Englisch: Russian no-turn knife throwing technique (wave-technique)